Essays
William Gaddis

 
   

Maschine. William Gaddis und das Räderwerk der Welt

Erstveröffentlichung unter literaturkritik.de, Marburg, online seit Dezember 2018, zum 20. Todestag.

literaturkritik.de

   

Hier findet man fast alles. Gaddis hat dafür gesorgt, dass seine formal sehr unterschiedlichen Riesenromane unendlich viel Material, Geschichten und Bezüge anhäufen wie Naturkundemuseen mit angegliederten Kuriositätenkabinetten, weil sie die Welt an sich packen sollten, aus Übermut oder Wut.
Gaddis, getrieben von geistigen, geistlichen, geisterhaften Systemen, schien in seinen monumentalen ersten beiden Romanen ein hochkomplexer Vorläufer des zeichenmanischen Enzyklopäden Umberto Eco gewesen zu sein, was u.a. Gaddis‘ Hauptinterpret Steven Moore schon 1982 feststellte. Der in New York geborene Agnostiker, der in einer Quäker-Familie aufwuchs, schuf semantische Schlachtengemälde und pflügte Sein und Bewusstsein mal lustvoll, mal grimmig unter. Gegenüber dem ironischen, im Katholizismus aufgewachsenen Agnostiker Eco, war Gaddis mit einer weiteren Sorte Humor gesegnet: dem verbitterten. So herrscht in seinen Büchern oft ein protestantisch geprägtes Misstrauen gegen jede mildernde Abrundung der Welt. Es ist der Humor eines Autors, der sich abschuftet an der conditio humana.

 

William Gaddis:
- The Recognitions. New York: Harcourt, Brace & Company, 1955. Deutsche Übersetzung: Die Fälschung der Welt. Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 1998.
- JR. New York: Alfred A. Knopf, 1975. Deutsche Übersetzung: JR. Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 1996.
- Carpenter’s Gothic. New York: Viking, 1985. Deutsche Übersetzung: Die Erlöser. Reinbek: Rowohlt, 1988.
- A Frolic of His Own. New York: Poseidon Press, 1994. Deutsche Übersetzung: Letzte Instanz. Reinbek: Rowohlt, 1996.
- Agapē Agape. New York: Viking Penguin, 2002. Deutsche Übersetzung: Das mechanische Klavier. München: Manhattan, 2003.

Paul Ingendaay:
- Die Romane von William Gaddis. Trier: Wissenschaftlicher Verlag, 1993.

Steven Moore:
- A Reader’s Guide to William Gaddis’s ‘The Recognitions’. Lincoln: University of Nebraska Press, 1982. Deutsche Übersetzung: Die Fakten hinter der Fälschung: Ein Führer durch William Gaddis’ Roman ‚Die Fälschung der Welt‘. Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 1998.
- William Gaddis. Boston: Twayne, 1989; Expanded Edition: New York: Bloomsbury, 2015.

Joseph Tabbi: Nobody grew but the Business. On the Life and Work of William Gaddis.Evanston, IL: Northwestern University Press, 2015.

William Gaddis: Die Fäschung der Welt
▲ William Gaddis: Die Fälschung der Welt. Übersetzt von Marcus Ingendaay. Deutsche Erst­ausgabe. Frankfurt am Main: Zwei­tausend­eins 1998
[max. Auflösung]

 

Steven Moore: Die Fakten hinter der Fäschung
▲ Steven Moore: Die Fakten hinter der Fäschung. Ein Führer durch William Gaddis' Roman 'Die Fälschung der Welt'. Über­setzt von Klaus Modick. Deutsche Erst­ausgabe. Frankfurt am Main: Zwei­tausend­eins 1998
[max. Auflösung]

 

William Gaddis: JR
▲ William Gaddis: JR. Übersetzt von Marcus Ingendaay und Klaus Modick. Deutsche Erst­ausgabe. Frankfurt am Main: Zwei­tausend­eins 1996
[max. Auflösung]